Phytotherapie in Zahlen 2026 Der deutsche Markt für pflanzliche Arzneimittel

Phytotherapie in Zahlen 2026: Der deutsche Markt für pflanzliche Arzneimittel

Pflanzliche Arzneimittel sind in Deutschland längst kein Nischenprodukt mehr. Ob bei Erkältungen, Husten, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafproblemen oder leichten Beschwerden der Atemwege: Phytopharmaka gehören seit Jahrzehnten zur Selbstmedikation und sind in Apotheken fest etabliert.

Doch wie groß ist der deutsche Markt für pflanzliche Arzneimittel im Jahr 2026? Wie viele Packungen werden verkauft? Welche Präparategruppen sind besonders wichtig und wie entwickelt sich der Markt im Vergleich zum gesamten OTC-Segment?

Die Datenlage zeigt ein interessantes Bild: Pflanzliche Arzneimittel haben einen festen Platz im deutschen Arzneimittelmarkt, allerdings veröffentlicht der BPI nicht jedes Jahr eine eigenständige Umsatzstatistik ausschließlich für Phytopharmaka. Die aktuellste spezielle BPI-Auswertung betrachtet den Zeitraum 2019 bis 2022. Für 2025 liegen dagegen aktuelle Gesamtzahlen zum OTC-Markt vor.

Was bedeutet Phytotherapie?

Unter Phytotherapie versteht man die Behandlung beziehungsweise Linderung von Beschwerden mit pflanzlichen Arzneimitteln. Verwendet werden beispielsweise Extrakte, Tinkturen, getrocknete Pflanzenbestandteile oder andere definierte Zubereitungen aus Arzneipflanzen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu Nahrungsergänzungsmitteln und Wellnessprodukten: Ein zugelassenes pflanzliches Arzneimittel unterliegt dem Arzneimittelrecht und muss hinsichtlich Qualität, Sicherheit und – je nach Zulassungsweg – Wirksamkeit beziehungsweise traditioneller Anwendung entsprechende regulatorische Anforderungen erfüllen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt Phytopharmaka innerhalb seiner Zulassungsstatistik als eigene Gruppe der „Besonderen Therapierichtungen“.

Der deutsche OTC-Markt 2025 in Zahlen

Die aktuellsten umfassenden BPI-Daten zum Selbstmedikationsmarkt wurden 2026 veröffentlicht und beziehen sich auf das Jahr 2025.

Danach wurden in Deutschland in stationären Apotheken und im Apothekenversandhandel insgesamt 941 Millionen Packungen nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel verkauft.

Der OTC-Umsatz erreichte dabei 11,5 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Umsatzplus von 2,6 Prozent.

Zum Vergleich:

Kennzahl Wert
OTC-Packungen 2025 941 Mio.
OTC-Umsatz 2025 11,5 Mrd. Euro
Umsatzwachstum gegenüber 2024 +2,6 %
Anteil der Packungen in Vor-Ort-Apotheken 77 %

Diese Zahlen beziehen sich auf den gesamten OTC-Markt und nicht ausschließlich auf pflanzliche Arzneimittel. Sie zeigen jedoch, in welchem wirtschaftlichen Umfeld sich Phytopharmaka bewegen.

Wie groß ist der Markt für pflanzliche Arzneimittel?

Für Phytopharmaka gibt es eine spezielle BPI-Marktauswertung. Die bisher veröffentlichte Sonderpublikation untersucht die Jahre 2019 bis 2022 und konzentriert sich auf nicht verschreibungspflichtige pflanzliche Arzneimittel.

Dabei zeigt sich eine deutliche Erholung nach den pandemiebedingten Einbrüchen.

2020 sank der Absatz gegenüber dem Vorjahr um rund 18 Millionen Packungen beziehungsweise 14 Prozent. 2021 folgte ein weiterer Rückgang um etwa sieben Millionen Packungen beziehungsweise 5 Prozent.

2022 drehte sich die Entwicklung wieder:

Allein in Apotheken wurden 99 Millionen Packungen pflanzlicher OTC-Arzneimittel verkauft.

Damit wurde laut BPI fast wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Gleichzeitig entwickelte sich der Versandhandel während des gesamten Betrachtungszeitraums vergleichsweise stabil beziehungsweise zunehmend positiv.

99 Millionen Packungen: eine wichtige Orientierungsgröße

Die Zahl von 99 Millionen Packungen aus dem Jahr 2022 ist eine der wichtigsten öffentlich zugänglichen Kennzahlen zum deutschen Phytopharmaka-Markt.

Sie verdeutlicht die Größenordnung:

Pflanzliche OTC-Arzneimittel werden in Deutschland millionenfach eingesetzt.

Dabei handelt es sich nicht um einzelne Produkte, sondern um ein breites Spektrum verschiedener Präparate.

Die Zahl darf allerdings nicht als aktuelle Absatzmenge für 2026 interpretiert werden. Der BPI weist ausdrücklich darauf hin, dass die Sonderauswertung den Zeitraum 2019 bis 2022 untersucht.

Husten- und Erkältungsmittel dominieren

Besonders deutlich wird die Bedeutung der Phytopharmaka bei Erkältungskrankheiten.

Im Jahr 2021 entfielen laut BPI 29 Prozent des betrachteten pflanzlichen OTC-Marktes auf Husten- und Erkältungspräparate.

2022 stieg ihr Anteil nach dem Ende vieler Pandemie-Schutzmaßnahmen sogar auf 49 Prozent. Hintergrund war unter anderem der starke Anstieg von Atemwegsinfektionen nach den pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen.

Damit hängt die jährliche Entwicklung des pflanzlichen Arzneimittelmarktes auch stark vom Infektionsgeschehen und von der jeweiligen Erkältungssaison ab.

Warum schwanken die Verkaufszahlen?

Pflanzliche Arzneimittel sind in vielen Fällen saisonabhängig.

Besonders relevant sind:

  • Hustenmittel
  • pflanzliche Erkältungspräparate
  • Mittel gegen leichte Beschwerden der Atemwege
  • Präparate für den Magen-Darm-Bereich
  • pflanzliche Beruhigungs- und Schlafmittel
  • pflanzliche Präparate für verschiedene weitere Anwendungsgebiete

Eine starke Erkältungssaison kann den Absatz deshalb deutlich erhöhen. Umgekehrt kann ein ungewöhnlich mildes oder infektionsarmes Jahr zu niedrigeren Verkaufszahlen führen.

Diese Abhängigkeit zeigte sich zuletzt auch im gesamten OTC-Markt: Laut BPI ging der Absatz von Husten-, Schnupfen- und Atemwegspräparaten 2025 aufgrund der schwachen Erkältungssaison im Herbst um 3,2 Prozent zurück.

Phytotherapie und Selbstmedikation

Ein wesentlicher Teil der pflanzlichen Arzneimittel wird ohne Rezept gekauft.

Das passt zum allgemeinen Charakter des OTC-Marktes: Patienten behandeln leichte oder vorübergehende Beschwerden häufig selbst und wenden sich bei Bedarf an die Apotheke.

Der BPI bezeichnet Phytopharmaka deshalb als wichtigen Bestandteil der Selbstmedikation. Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass pflanzliche Arzneimittel auch ergänzend bei schwereren Erkrankungen eingesetzt werden können.

Für Verbraucher ist dabei entscheidend, zwischen einem zugelassenen pflanzlichen Arzneimittel und einem bloßen Pflanzen- oder Nahrungsergänzungsprodukt zu unterscheiden.

Apotheke bleibt wichtigster Vertriebsweg

Die Apotheke spielt beim deutschen OTC-Markt weiterhin eine zentrale Rolle.

Nach den BPI-Daten 2026 wurden 2025 77 Prozent aller OTC-Packungen in der Vor-Ort-Apotheke verkauft. Der Rest entfällt unter anderem auf den Apothekenversandhandel.

Für Phytopharmaka ist die Beratung besonders relevant, weil pflanzliche Wirkstoffe nicht automatisch harmlos sind. Auch pflanzliche Arzneimittel können Nebenwirkungen verursachen und mit anderen Arzneimitteln interagieren.

Die fachliche Beratung kann deshalb bei der Auswahl, Dosierung und Anwendungsdauer eine wichtige Rolle spielen.

Versandhandel gewinnt an Bedeutung

Während der Corona-Pandemie veränderte sich das Kaufverhalten deutlich.

Der BPI berichtet, dass der Absatz pflanzlicher Arzneimittel in stationären Apotheken 2020 und 2021 deutlich zurückging, während der Versandhandel vergleichsweise stabil blieb. 2022 lag der Absatz im Versandhandel sogar geringfügig über dem Niveau von 2019.

Damit hat sich der Vertriebsweg für Phytopharmaka weiter diversifiziert.

Heute stehen Verbrauchern grundsätzlich mehrere Bezugsquellen zur Verfügung:

  1. Vor-Ort-Apotheke
  2. Versandapotheke
  3. teilweise weitere zugelassene Vertriebswege abhängig vom Arzneimittelstatus

Gerade bei pflanzlichen Präparaten bleibt die Abgrenzung zwischen Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und sonstigem Produkt wichtig.

Wie viele pflanzliche Arzneimittel gibt es?

Eine einzelne Zahl für „alle Phytopharmaka in Deutschland“ ist schwierig zu nennen, weil Arzneimittel in unterschiedlichen Kategorien und Zulassungsverfahren geführt werden.

Das BfArM veröffentlicht regelmäßig Statistiken zu den verkehrsfähigen Arzneimitteln und führt Phytopharmaka, traditionelle Arzneimittel, Homöopathika und Anthroposophika als besondere Gruppe.

Zum Jahresende 2025 umfasste die BfArM-Statistik insgesamt mehr als 100.000 verkehrsfähige Arzneimittel, wobei bei dieser Gesamtzahl unter anderem jede Packungsgröße als eigenes Arzneimittel gezählt werden kann. Diese Zahl darf daher keinesfalls mit der Zahl einzelner Wirkstoffe oder Produktfamilien gleichgesetzt werden.

Zulassung und Qualität: Auch pflanzliche Arzneimittel sind Arzneimittel

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, pflanzliche Arzneimittel seien grundsätzlich weniger streng reguliert als synthetische Medikamente.

Das trifft so nicht zu.

Das BfArM ist für die Zulassung zahlreicher Fertigarzneimittel zuständig und prüft dabei unter anderem Fragen der Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit.

Bei traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln gelten teilweise besondere regulatorische Verfahren. Das BfArM führt hierfür eine eigene Statistik der „Besonderen Therapierichtungen und Traditionellen Arzneimittel“.

Für Verbraucher bedeutet das: Die Bezeichnung „pflanzlich“ allein sagt noch nichts darüber aus, welchen regulatorischen Status ein konkretes Produkt besitzt.

Phytopharmaka versus Nahrungsergänzungsmittel

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Ein pflanzliches Arzneimittel wird zur Behandlung oder Vorbeugung einer Krankheit beziehungsweise zur Beeinflussung bestimmter medizinischer Beschwerden eingesetzt und unterliegt dem Arzneimittelrecht.

Nahrungsergänzungsmittel dienen dagegen grundsätzlich der Ergänzung der Ernährung.

Beide Produktgruppen können pflanzliche Inhaltsstoffe enthalten, sind aber rechtlich und hinsichtlich ihrer zulässigen Werbeaussagen nicht gleichgestellt.

Deshalb sollte man Marktstatistiken niemals unkritisch zusammenrechnen. Eine Statistik über den Markt für „pflanzliche Produkte“ kann beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik und Wellnessprodukte enthalten, während eine Phytopharmaka-Statistik ausschließlich Arzneimittel betrachtet.

Der OTC-Markt wächst weiter

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Umfeld für pflanzliche Selbstmedikation 2025 insgesamt stabil bis positiv war.

Der gesamte OTC-Markt wuchs beim Umsatz auf 11,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig entwickelten sich einzelne Produktgruppen sehr unterschiedlich.

Besonders wichtig waren 2025:

  • Husten- und Erkältungsmittel
  • Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel
  • Schmerz-, Muskel- und Gelenkmittel
  • Produkte für den Verdauungstrakt
  • Hautmittel

Husten- und Erkältungsmittel machten etwa ein Drittel aller OTC-Packungen aus.

Viele dieser Kategorien überschneiden sich mit Einsatzbereichen pflanzlicher Arzneimittel.

Welche Faktoren beeinflussen den Phytopharmaka-Markt 2026?

Mehrere Trends dürften den Markt auch 2026 prägen.

1. Interesse an pflanzlichen Wirkstoffen

Pflanzliche Arzneimittel werden von vielen Verbrauchern als Bestandteil einer möglichst natürlichen Gesundheitsversorgung wahrgenommen.

2. Selbstmedikation

Der große OTC-Markt schafft einen wichtigen Absatzkanal für Phytopharmaka.

3. Saisonale Infektionen

Die Nachfrage nach pflanzlichen Husten- und Erkältungspräparaten hängt stark von der jeweiligen Atemwegssaison ab.

4. Apothekenberatung

Gerade bei pflanzlichen Arzneimitteln ist die Beratung hinsichtlich Anwendung, Dosierung und möglicher Wechselwirkungen relevant.

5. Lieferketten und Rohstoffe

Pflanzliche Wirkstoffe hängen von landwirtschaftlichen Rohstoffen und deren Qualität ab. Der BPI hebt deshalb auch die Bedeutung stabiler Lieferketten und teilweise heimischer Produktion hervor.

Phytotherapie 2026: Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Kennzahl Wert
OTC-Umsatz Deutschland 2025 11,5 Mrd. Euro
OTC-Packungen 2025 941 Mio.
Wachstum OTC-Umsatz 2025 +2,6 %
Anteil OTC-Packungen in Vor-Ort-Apotheken 77 %
Pflanzliche OTC-Packungen in Apotheken 2022 99 Mio.
Veränderung Phytopharmaka-Absatz 2020 −14 %
Veränderung Phytopharmaka-Absatz 2021 −5 %
Anteil Husten-/Erkältungspräparate bei Phytopharmaka 2022 49 %

Die Werte stammen aus unterschiedlichen Berichtsjahren. Insbesondere die Zahl von 99 Millionen Packungen ist keine Absatzprognose für 2026, sondern ein Wert aus der bislang veröffentlichten BPI-Sonderauswertung für 2022.

Gibt es für 2026 eine exakte Umsatzsumme für Phytopharmaka?

Nein, zumindest nicht in Form einer frei zugänglichen offiziellen Jahresstatistik, die den gesamten deutschen Phytopharmaka-Markt für 2026 bereits vollständig ausweist.

Hier ist Vorsicht vor scheinbar präzisen Internetangaben angebracht.

Der BPI hat eine spezielle Phytopharmaka-Auswertung veröffentlicht, die den Zeitraum 2019 bis 2022 betrachtet. Die aktuelleren BPI-OTC-Daten 2026 beziehen sich dagegen auf den gesamten OTC-Markt und das Jahr 2025.

Daher wäre es unseriös, aus dem gesamten OTC-Umsatz von 11,5 Milliarden Euro einen bestimmten Anteil als „Phytotherapie-Umsatz 2026“ abzuleiten.

Fazit: Pflanzliche Arzneimittel bleiben ein wichtiger Teil des deutschen Gesundheitsmarktes

Die Phytotherapie besitzt in Deutschland auch 2026 eine erhebliche wirtschaftliche und gesundheitliche Bedeutung. Die bislang detailliert veröffentlichte BPI-Sonderauswertung zeigt, dass bereits 99 Millionen Packungen pflanzlicher OTC-Arzneimittel allein 2022 in Apotheken verkauft wurden. Nach den pandemiebedingten Rückgängen hatte sich der Markt damit nahezu wieder auf das Vor-Corona-Niveau erholt.

Der aktuelle Gesamtmarkt für rezeptfreie Arzneimittel bestätigt die anhaltende Bedeutung der Selbstmedikation: 2025 wurden 941 Millionen OTC-Packungen verkauft und 11,5 Milliarden Euro umgesetzt.

Für 2026 lässt sich daraus vor allem ein Trend ableiten: Phytopharmaka bleiben ein etablierter Bestandteil des OTC-Marktes, wobei Erkältungs- und Hustenpräparate eine besonders wichtige Rolle spielen.

Gleichzeitig sollte man Marktstatistiken differenziert betrachten. Pflanzliche Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Wellnessprodukte sind nicht dasselbe. Wer Umsatz- und Absatzdaten vergleichen möchte, sollte deshalb immer prüfen, welche Produktgruppen tatsächlich in der jeweiligen Statistik enthalten sind.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Die Bezeichnung „Phytotherapie in Zahlen 2026“ bezieht sich auf die aktuelle Einordnung des Marktes im Jahr 2026. Eine vollständige, offizielle Umsatzstatistik ausschließlich für pflanzliche Arzneimittel für das Kalenderjahr 2026 liegt zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht vor. Die aktuellsten verfügbaren Spezialdaten des BPI zu Phytopharmaka beziehen sich auf 2019 bis 2022; die neuesten OTC-Gesamtmarktdaten beziehen sich auf 2025.