Wie viele Menschen sind in den einzelnen Bundesländern pflegebedürftig? Und wo ist der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung besonders hoch? Ein Vergleich der Pflegequote ermöglicht eine bessere Einordnung als der Blick auf die absoluten Zahlen allein.
Für das Jahr 2026 ist dabei eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die aktuellste vollständige Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes bezieht sich auf den 31. Dezember 2023. Die Länderergebnisse wurden im Januar 2025 veröffentlicht. Eine tatsächlich für Ende 2026 erhobene vollständige Pflegestatistik liegt zum Zeitpunkt dieser Betrachtung noch nicht vor.
Was bedeutet Pflegequote?
Die Pflegequote beschreibt den Anteil der Bevölkerung eines Bundeslandes, der als pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung gilt.
Die Berechnung lautet:
Pflegequote = Pflegebedürftige ÷ Gesamtbevölkerung × 100
Für die Darstellung „Pflegebedürftige pro 10.000 Einwohner“ wird die Quote mit 100 multipliziert. Eine Pflegequote von beispielsweise 8 % entspricht somit 800 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner.
Diese Kennzahl ermöglicht einen besseren Vergleich zwischen unterschiedlich großen Bundesländern. Nordrhein-Westfalen hat beispielsweise absolut sehr viele Pflegebedürftige, verfügt aber gleichzeitig über eine große Bevölkerung. Ein kleineres Bundesland kann deshalb weniger Pflegebedürftige insgesamt, aber eine höhere Pflegequote haben.
Pflegequote der Bundesländer: Tabelle 2023
Die folgende Tabelle basiert auf den Länderergebnissen der Pflegestatistik 2023. Die Werte je 10.000 Einwohner ergeben sich aus der veröffentlichten Pflegequote.
| Bundesland | Pflegebedürftige 2023 | Pflegequote | Pflegebedürftige je 10.000 Einwohner |
|---|---|---|---|
| Bayern | 631.273 | 4,70 % | 470 |
| Hamburg | 96.606 | 5,06 % | 506 |
| Baden-Württemberg | 624.831 | 5,51 % | 551 |
| Berlin | 211.999 | 5,61 % | 561 |
| Schleswig-Holstein | 175.323 | 5,91 % | 591 |
| Rheinland-Pfalz | 271.519 | 6,50 % | 650 |
| Hessen | 423.378 | 6,59 % | 659 |
| Bremen | 47.628 | 6,89 % | 689 |
| Nordrhein-Westfalen | 1.387.134 | 7,62 % | 762 |
| Niedersachsen | 623.071 | 7,63 % | 763 |
| Saarland | 80.351 | 8,08 % | 808 |
| Brandenburg | 214.072 | 8,29 % | 829 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 139.872 | 8,58 % | 858 |
| Sachsen | 363.243 | 8,88 % | 888 |
| Thüringen | 193.937 | 9,14 % | 914 |
| Sachsen-Anhalt | 204.236 | 9,37 % | 937 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2023; Pflegequote berechnet aus Pflegebedürftigen und Bevölkerung zum Stichtag.
Deutschlandweit lag die Pflegequote Ende 2023 bei rund 6,72 %. Das entspricht ungefähr 672 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner.
Bayern hat die niedrigste Pflegequote
Beim Vergleich der Pflegequoten weist Bayern mit 4,70 % den niedrigsten Wert der 16 Bundesländer auf. Das entspricht rund 470 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner.
In absoluten Zahlen gehörte Bayern mit 631.273 Pflegebedürftigen dagegen zu den Ländern mit den höchsten Werten. Das zeigt, warum absolute Zahlen und relative Quoten nicht miteinander verwechselt werden sollten.
Auch Hamburg, Baden-Württemberg und Berlin weisen vergleichsweise niedrige Pflegequoten auf. In Hamburg kamen 2023 rund 506 Pflegebedürftige auf 10.000 Einwohner, in Baden-Württemberg waren es etwa 551 und in Berlin rund 561.
Sachsen-Anhalt mit höchster Pflegequote
Am anderen Ende der Tabelle steht Sachsen-Anhalt. Dort lag die Pflegequote 2023 bei 9,37 %, was etwa 937 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner entspricht.
Auch Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern lagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt:
| Bundesland | Pflegebedürftige je 10.000 Einwohner | Pflegequote |
|---|---|---|
| Sachsen-Anhalt | 937 | 9,37 % |
| Thüringen | 914 | 9,14 % |
| Sachsen | 888 | 8,88 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 858 | 8,58 % |
| Brandenburg | 829 | 8,29 % |
| Saarland | 808 | 8,08 % |
Damit liegen mehrere ostdeutsche Bundesländer deutlich über dem bundesweiten Wert von rund 672 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner.
Warum unterscheiden sich die Bundesländer so stark?
Ein wesentlicher Faktor ist die Altersstruktur der Bevölkerung. Pflegebedürftigkeit tritt zwar in jedem Lebensalter auf, nimmt aber mit zunehmendem Alter erheblich zu.
Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass 2023 bereits 78 % der Pflegebedürftigen mindestens 65 Jahre alt waren. Rund 34 % waren mindestens 85 Jahre alt. Bei den mindestens 90-Jährigen lag die Pflegequote bei rund 87 %.
Bundesländer mit einer älteren Bevölkerung können daher eine höhere Pflegequote aufweisen, selbst wenn dort insgesamt deutlich weniger Menschen leben.
Die demografischen Unterschiede zwischen den Bundesländern sind beträchtlich. Destatis weist beispielsweise für 2024 einen besonders hohen Altenquotienten in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg aus. In diesen Ländern kommen entsprechend relativ viele ältere Menschen auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.
Absolute Zahl und Pflegequote: zwei unterschiedliche Aussagen
Ein häufiger Fehler bei Statistiken besteht darin, die absolute Zahl der Pflegebedürftigen mit der Pflegequote gleichzusetzen.
Nordrhein-Westfalen verdeutlicht den Unterschied besonders gut. Dort wurden 2023 rund 1,39 Millionen Pflegebedürftige gezählt. Das war die höchste absolute Zahl unter den Bundesländern. Bezogen auf die Bevölkerung lag die Pflegequote jedoch bei 7,62 %, beziehungsweise etwa 762 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner.
Sachsen-Anhalt hatte dagegen mit rund 204.000 Pflegebedürftigen wesentlich weniger Betroffene. Bezogen auf die deutlich kleinere Bevölkerung lag die Quote aber bei 9,37 %.
Für die Planung von Pflegeangeboten sind deshalb beide Kennzahlen wichtig:
- Absolute Zahl: Wie viele Pflegebedürftige müssen insgesamt versorgt werden?
- Pflegequote: Wie groß ist der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung?
- Pflegebedürftige je 10.000 Einwohner: Wie hoch ist die Pflegebedürftigkeit im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße?
Pflegequote im Bundesländervergleich 2026: regionale Unterschiede
Die Tabelle zeigt ein deutliches regionales Gefälle. Die niedrigsten Quoten finden sich vor allem in Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Berlin. Die höchsten Werte weisen Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf.
Dabei sollte daraus nicht unmittelbar geschlossen werden, dass die Versorgungssituation in einem Bundesland besser oder schlechter ist. Die Pflegequote misst ausschließlich das Verhältnis zwischen Pflegebedürftigen und Gesamtbevölkerung. Sie sagt beispielsweise nichts darüber aus, wie viele Pflegekräfte, Pflegeheime, ambulante Pflegedienste oder Plätze pro Pflegebedürftigem zur Verfügung stehen.
Entwicklung der Pflegequote in Deutschland
Auch bundesweit ist die Pflegequote in den vergangenen Jahren gestiegen.
| Jahr | Pflegebedürftige insgesamt | Pflegequote ungefähr | Je 10.000 Einwohner |
|---|---|---|---|
| 2017 | 3,41 Mio. | 4,1 % | 410 |
| 2019 | 4,13 Mio. | 5,0 % | 500 |
| 2021 | 4,96 Mio. | 6,0 % | 600 |
| 2023 | 5,69 Mio. | 6,72 % | 672 |
Die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg. Allerdings ist der Zeitvergleich nicht ausschließlich mit der demografischen Alterung zu erklären. Seit 2017 gilt ein weiter gefasster Pflegebedürftigkeitsbegriff, durch den mehr Menschen als pflegebedürftig erfasst werden können.
Pflegebedürftige in Deutschland: 2023 als aktuelle Referenz für 2026
Für Veröffentlichungen im Jahr 2026 sollte die Jahreszahl deshalb präzise verwendet werden. Die Bezeichnung „Pflegequote Bundesländer 2026“ beschreibt das Thema und den Veröffentlichungszeitraum, während die zugrunde liegenden amtlichen Länderwerte aus der Pflegestatistik 2023 stammen.
Die Länderergebnisse 2023 wurden vom Statistischen Bundesamt im Januar 2025 veröffentlicht. Der Bericht enthält Daten zu Pflegebedürftigen sowie zu Pflegeeinrichtungen und Pflege- und Betreuungsdiensten in den einzelnen Ländern.
Eine echte Pflegequote für Ende 2026 kann erst berechnet werden, wenn entsprechende aktuelle Zahlen zu Pflegebedürftigen und Bevölkerung vorliegen.
Demografische Entwicklung und zukünftiger Pflegebedarf
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern dürften auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Destatis hat in seiner Pflegevorausberechnung 2023 modelliert, wie sich die Zahl der Pflegebedürftigen unter bestimmten demografischen Annahmen entwickeln könnte.
Für Deutschland wurde bei konstanten Pflegequoten ein Anstieg von rund 5,0 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2021 auf etwa 5,64 Millionen im Jahr 2035 und rund 6,78 Millionen im Jahr 2055 berechnet. Das entspricht einem Anstieg von 37 % gegenüber 2021.
Auch zwischen den Ländern gibt es erhebliche Unterschiede. Für 2055 wurde beispielsweise unter den Modellannahmen ein Anstieg von 56 % in Bayern und 51 % in Baden-Württemberg berechnet, während Sachsen-Anhalt bei rund 7 % und Thüringen bei rund 9 % lagen.
Diese Vorausberechnungen sind allerdings keine exakten Vorhersagen. Sie basieren auf bestimmten Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung und zu Pflegequoten.
Pflegequote je 10.000 Einwohner: Was sagt die Kennzahl aus?
Die Darstellung je 10.000 Einwohner ist besonders praktisch, wenn Bundesländer unterschiedlicher Größe miteinander verglichen werden.
Ein Wert von:
- 500 je 10.000 entspricht einer Pflegequote von 5 %,
- 600 je 10.000 entspricht 6 %,
- 700 je 10.000 entspricht 7 %,
- 800 je 10.000 entspricht 8 %,
- 900 je 10.000 entspricht 9 %.
Die Kennzahl kann damit auch für regionale Analysen verwendet werden. Für Kommunen oder Landkreise sind allerdings zusätzlich regionale Altersstrukturen, Pflegegrade und Versorgungsformen zu berücksichtigen.
Fazit
Der Bundesländervergleich der Pflegequote zeigt deutliche regionale Unterschiede. Ende 2023 reichte die Quote von 4,70 % in Bayern bis 9,37 % in Sachsen-Anhalt. Das entspricht einer Spannweite von rund 470 bis 937 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner.
Besonders hohe Pflegequoten weisen mehrere ostdeutsche Bundesländer auf. Ein wichtiger Faktor ist die unterschiedliche Altersstruktur der Bevölkerung. Da das Risiko der Pflegebedürftigkeit mit dem Alter deutlich zunimmt, wirken sich regionale Unterschiede bei der Zahl älterer und hochaltriger Menschen unmittelbar auf die Pflegequote aus.
Für 2026 bilden die Daten von 2023 weiterhin die wichtigste vollständige amtliche Grundlage für den Bundesländervergleich. Gleichzeitig zeigen die Pflegevorausberechnungen, dass der Pflegebedarf aufgrund der demografischen Entwicklung langfristig weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik – Länderergebnisse 2023
- Statistisches Bundesamt: Pflegebedürftige in Deutschland
- GENESIS-Online: Pflegebedürftige nach Bundesländern und Pflegegrad
- Statistisches Bundesamt: Pflegevorausberechnung Deutschland und Bundesländer
- Destatis: Pflegevorausberechnung bis 2055