Wer an einen Bären denkt, denkt an Kraft, Gelassenheit und Bodenständigkeit. Genau diese Eigenschaften stehen im Zentrum einer der bekanntesten Qigong-Übungen: der Bärenübung. Sie gehört zu den fünf klassischen Tierübungen und erfreut sich 2026 weiterhin großer Beliebtheit, gerade weil sie Kraft und Ruhe auf so anschauliche Weise miteinander verbindet.
Herkunft: Das Spiel der fünf Tiere
Die Bärenübung ist Teil des sogenannten „Spiels der fünf Tiere“ (Wu Qin Xi), einem der ältesten überlieferten Qigong-Systeme. Es handelt sich um ein vom chinesischen Arzt Hua Tuo im zweiten Jahrhundert während der Östlichen Han-Dynastie entwickeltes gymnastisches Bewegungssystem, das neben Ba Duan Jin und Yì Jīn Jīng zu den alten Formen des Qigong zählt und von Fachleuten der Sportuniversität Peking geprüft und standardisiert wurde. Hua Tuo gab das Wu Qin Xi seinerzeit an seinen Schüler Wu Pu weiter, wo es innerhalb der Familie über Generationen hinweg Bestand hatte.
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Die fünf nachgeahmten Tiere sind dabei genau festgelegt: Hua Tuos Übungskonzept ahmt Tiger, Affen, Hirsch, Bär und Kranich nach. Wichtig dabei: Es geht nicht um reine körperliche Nachahmung. Die einzelnen Tierstile im Wu Qin Xi werden nicht als rein körperliche Übungen ausgeführt, sondern das Ziel ist es, das Tier und dessen Wesen selbst zu verstehen und dies in den Bewegungen zum Ausdruck zu bringen.
Der Charakter des Bären
Jedem der fünf Tiere wird im Spiel der fünf Tiere ein eigener Ausdruck und Gemütszustand zugeschrieben. Beim Bären steht dabei ein bestimmtes Wesensmerkmal im Vordergrund: Der Bär gilt als gutmütig und gefestigt. Damit unterscheidet er sich deutlich von den impulsiveren oder verspielteren Tieren der Reihe, etwa dem kraftvollen und impulsiven Tiger oder dem flinken und lebendigen Affen.
Der Name der klassischen Bärenbewegung veranschaulicht diesen Charakter sehr bildhaft. Sie trägt die Bezeichnung „Hei Xiong Kao Shu“, was übersetzt bedeutet: „Der schwarze (böse) Bär nimmt den Baum in den Arm“. Das Bild eines Bären, der sich fest und verwurzelt an einen Baum lehnt, vermittelt genau jene Standhaftigkeit und Erdung, die diese Übung vermitteln soll.
Wirkung der Bärenübung
Die Bärenübung wird traditionell einer bestimmten gesundheitlichen Wirkrichtung zugeordnet. So gilt: Die Bären-Übung stärkt Magen und Milz. Damit ist sie eng mit dem sogenannten Erd-Element der traditionellen chinesischen Medizin verknüpft, dem in der TCM eine zentrale Rolle für Verdauung, innere Stabilität und emotionales Gleichgewicht zugeschrieben wird.
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Generell gilt für alle fünf Tierübungen ein ganzheitlicher Wirkanspruch: Sie dienen der Balance von Yin und Yang, bilden eine Massage der inneren Organe, fördern den Kreislauf von Qi, Blut und allen Körperflüssigkeiten, machen die Meridiane durchgängig und kräftigen den ganzen Körper. Auch strukturell ist das System durchdacht: Die Übungen des Spiels der fünf Tiere unterstützen zudem die Funktion der Funktionskreise, von denen fünf dem Yin und fünf dem Yang zugeordnet sind.
Wie wird die Bärenübung praktiziert?
Der Bewegungsablauf orientiert sich am Bild eines Bären, der schwerfällig, aber kraftvoll und in sich ruhend seinen Körper von einer Seite zur anderen wiegt. Typischerweise verlagert sich das Körpergewicht dabei ruhig von einem Bein zum anderen, während sich der Oberkörper leicht mitbewegt, ähnlich einem gemütlich schaukelnden Bären. Die Bewegungen sind bewusst langsam, geerdet und kraftvoll, ohne dabei angespannt oder verkrampft zu wirken.
Wie bei allen Übungen des Spiels der fünf Tiere kommt der Vorbereitung eine wichtige Rolle zu. Klassische Vorübungen bereiten Atmung und Körper gezielt vor, etwa solche, die als „mit geschlossenen Fersen ruhig ein- und ausatmen“ oder „die Atmung kontrollieren“ überliefert sind. Erst im Anschluss daran folgt die eigentliche Bärenbewegung.
Der Bär im Vergleich zu den anderen Tieren
Im Zusammenspiel der fünf Tiere übernimmt der Bär gewissermaßen die Rolle des ruhenden Pols. Während der Tiger für Kraft und Impulsivität, das Reh für Sensitivität und Behaglichkeit, der Affe für Flinkheit und Lebendigkeit sowie der Kranich für Leichtfüßigkeit und Eleganz steht, verkörpert der Bär Gefestigtsein und Gutmütigkeit.
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Durch das Zusammenspiel dieser fünf unterschiedlichen Qualitäten soll die Übungsreihe als Ganzes einen umfassenden Ausgleich schaffen: Die Übungen der fünf Tiere sollen dabei helfen, durch die unterschiedlichen Ausdrucksformen in Bewegung, Gestik und Gemütszustand wieder zur ursprünglichen Beweglichkeit zurückzukehren und freier zu werden.
Für wen eignet sich die Bärenübung?
Die Bärenübung eignet sich grundsätzlich für alle, die eine kraftvolle, aber dennoch sanfte und geerdete Bewegungsform suchen. Da die Übung auf Standfestigkeit und ruhiges Gewichtsverlagern setzt, kann sie insbesondere das Gleichgewichtsgefühl und die Körperwahrnehmung stärken. Wie bei allen Qigong-Formen empfiehlt sich für Einsteiger eine Anleitung durch erfahrene Lehrende, um die Bewegungsabläufe von Beginn an korrekt zu erlernen und die innere Haltung des Bären wirklich zu erfassen.
Fazit
Die Qigong-Übung des Bären verbindet auf eindrucksvolle Weise Kraft, Ruhe und Bodenständigkeit. Als Teil des jahrtausendealten Spiels der fünf Tiere, das auf den legendären Arzt Hua Tuo zurückgeht, steht sie in einer langen Tradition, die bis heute an Sportuniversitäten und in Qigong-Schulen weltweit weitergegeben wird.
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Wer 2026 nach einer Übung sucht, die innere Stabilität und Gelassenheit fördern soll, findet im Bären einen kraftvollen und zugleich beruhigenden Begleiter.
Quellen
- Wikipedia – Wu Qin Xi
- Gesundheits-QiGong – Das Spiel der 5 Tiere (Wu Qin Xi)
- Shaolin Wahnam Wien – Qi Gong Übungen: Das Spiel der fünf Tiere
- Qigong-Zentrum – Beschreibung: Das Spiel der 5 Tiere
- Taiji Forum – Spiel der Fünf Tiere
- Medizinische Gesellschaft für Qigong Yangsheng e.V. – Spiel der 5 Tiere
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Vorerkrankungen sollte vor Beginn einer neuen Übungspraxis ärztlicher Rat eingeholt werden.
