Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) umfasst Therapien wie Akupunktur, chinesische Kräutermedizin und andere ganzheitliche Behandlungsformen. Da viele dieser Ansätze seit Jahrhunderten angewendet werden, stellt sich die Frage: Welche Wirksamkeit lässt sich heute mit modernen Studien nachweisen?
1. Umfang und Qualität der Forschung
- Es gibt tausende wissenschaftliche Studien und systematische Übersichten zur Wirksamkeit von TCM‑Interventionen, darunter Akupunktur, Kräuterpräparate und Kombinationen aus TCM und westlicher Medizin. (PubMed)
- In einer Analyse von über 3 900 Veröffentlichungen identifizierten Forscher, dass nur etwa 10 % der Studien eine klar positive „kurative Wirkung“ nachweisen konnten – und auch diese Aussagen sind methodisch unterschiedlich stark belegt. (PubMed)
- Viele Studien sind methodisch eingeschränkt (z. B. kleine Fallzahlen, keine Verblindung, hoher Bias‑Risiko), was die Interpretation der Ergebnisse erschwert.
2. Ergebnisse zu spezifischen Krankheitsbildern
COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
- Eine Meta‑Analyse mit über 8 000 Teilnehmern zeigte, dass TCM‑Kombinationen (Akupunktur + Kräuter) zusätzliche Verbesserungen bei Lungenfunktion, Lebensqualität und körperlicher Leistungsfähigkeit erzielen können – allerdings bei mittlerer bis niedriger Studienqualität. (PubMed)
Post‑COVID‑19‑Symptome
- In einer systematischen Auswertung von 10 RCTs mit gut 2 400 Patienten zeigte chinesische Kräutermedizin tendenzielle Verbesserungen bei Symptomen wie Brustenge und Schlafstörungen, teilweise auch bei Erschöpfung und Atemnot – nicht alle Ergebnisse waren statistisch signifikant. (Springer Link)
Diabetische Retinopathie
- In 51 systematischen Übersichten mit insgesamt über 130 000 Teilnehmern ergab sich in der TCM‑Forschung ein Hinweis auf Wirksamkeit, doch die meisten Übersichten hatten nur moderate oder niedrige Qualität. (Springer Link)
Akupunktur
- Für Akupunktur – als Teil der TCM – gibt es einige hochwertigere Meta‑Analysen, die Vorteile z. B. bei chronischen Schmerzen zeigen. Zwar ist die Effektgröße oft moderat, aber diese Befunde gelten als relativ robust im Vergleich zu vielen Kräuterstudien. (tcm.edu)
3. Probleme und Grenzen der TCM‑Forschung
Methodische Herausforderungen
- Viele TCM‑Studien leiden unter kleinen Stichproben, fehlender Verblindung und heterogenen Studiendesigns.
- Die Kombination vieler Substanzen oder individuellen Behandlungsansätze erschwert standardisierte Vergleiche mit Placebo oder Standardmedizin.
Qualitätssysteme
- Bei der Bewertung systematischer Übersichten wird oft deutlich, dass nur ein kleiner Anteil als „hochwertig“ eingestuft wird – viele liegen auf moderatem oder niedrigem Niveau. (Springer Link)
4. Fazit: Was kann man aus der Statistik ableiten?
Positiv:
- Für einzelne Anwendungsbereiche (z. B. Schmerztherapie mit Akupunktur) gibt es moderate bis gute Evidenz für einen Effekt.
- Meta‑Analysen weisen bei einigen Erkrankungen auf potenzielle Vorteile von TCM‑Ansätzen hin, vor allem in Kombination mit konventioneller Medizin (z. B. COPD‑Behandlung). (PubMed)
Kritisch:
- Viele Studien sind methodisch zu schwach, heterogen oder zu klein, um eindeutige Aussagen zu ermöglichen.
- Bei vielen Kräuter‑ und Komplextherapien ist der Nutzen nicht klar über Placebo‑Effekte hinaus belegt. (PubMed)
Wissenschaftlich relevant bleibt:
- Die TCM‑Forschung wächst, aber es gibt großen Bedarf an größeren, gut kontrollierten, randomisierten Studien, um klare Wirkaussagen zu treffen. (Springer Link)
Wichtig für den Alltag
- Ergebnisse aus der Forschung sollten nicht mit breiten Heilaussagen vermischt werden.
- Anwendungen mit gut belegter Wirkung (z. B. Akupunktur bei Schmerzen) können sinnvoll sein, wenn sie ergänzend zu evidenzbasierter Medizin eingesetzt werden.
- Bei komplexen oder schweren Erkrankungen sollte TCM nicht ohne ärztliche Begleitung als alleinige Therapie gewählt werden.
Zusammengefasst:
TCM zeigt in einigen Bereichen positive Trends und Hinweise auf Wirksamkeit – jedoch sind die meisten Studien methodisch eingeschränkt, und es besteht ein klarer Bedarf an hochwertiger, evidenzbasierter Forschung, bevor sichere allgemeine Empfehlungen ausgesprochen werden können. (PubMed)