Ethnomedizin – Definition Was genau ist das

Ethnomedizin – Definition: Was genau ist das?

Ethnomedizin bezeichnet die Gesamtheit der medizinischen Vorstellungen, Heilmethoden und Gesundheitskonzepte innerhalb einer bestimmten Kultur oder ethnischen Gemeinschaft. Sie untersucht, wie Menschen Krankheit erklären, behandeln und Gesundheit verstehen – eingebettet in ihre Traditionen, Religionen und sozialen Strukturen.

Der Begriff setzt sich aus „Ethno“ (Volk/Kultur) und „Medizin“ zusammen und ist ein Teilbereich der Medizinethnologie bzw. Medizinanthropologie.


Wissenschaftliche Einordnung

In der Forschung wird Ethnomedizin als interdisziplinäres Feld verstanden, das Medizin, Ethnologie (Völkerkunde) und Anthropologie verbindet. Sie analysiert unter anderem:

  • kulturelle Krankheitskonzepte
  • traditionelle Heilpflanzen und Rituale
  • Rolle von Heilerinnen und Heilern
  • Zusammenhang von Religion, Magie und Medizin

Eine grundlegende Einführung bietet die Encyclopaedia Britannica unter dem Stichwort „medical anthropology“:
https://www.britannica.com/science/medical-anthropology

Auch die World Health Organization (WHO) beschäftigt sich mit traditioneller und indigener Medizin im globalen Kontext:
https://www.who.int/health-topics/traditional-complementary-and-integrative-medicine


Beispiele ethnomedizinischer Systeme

Ethnomedizin umfasst zahlreiche traditionelle Medizinsysteme weltweit, zum Beispiel:

  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
  • Ayurveda aus Indien
  • schamanische Heilpraktiken indigener Völker
  • afrikanische Pflanzenheilkunde
  • traditionelle Heilmethoden in Lateinamerika

Diese Systeme beruhen oft auf ganzheitlichen Ansätzen, in denen Körper, Geist und Umwelt als Einheit betrachtet werden.

Hintergrundinformationen zu traditioneller Medizin:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6150917/


Unterschied zur Schulmedizin

Während die moderne westliche Medizin (Biomedizin) vor allem naturwissenschaftlich und evidenzbasiert arbeitet, berücksichtigt Ethnomedizin kulturelle Bedeutungen von Krankheit.

Beispiel:
In manchen Kulturen werden Krankheiten nicht nur biologisch, sondern auch als soziales oder spirituelles Ungleichgewicht verstanden.


Bedeutung heute

Ethnomedizin ist besonders relevant:

  • in der globalen Gesundheitsforschung
  • in der interkulturellen Medizin
  • bei der Versorgung von Migrantinnen und Migranten
  • bei der Erforschung traditioneller Heilpflanzen

Viele moderne Medikamente basieren ursprünglich auf traditionellen Heilpflanzen, die ethnomedizinisch genutzt wurden.


Weitere Quellen


Fazit

Ethnomedizin beschreibt die kulturell geprägten Vorstellungen und Praktiken von Gesundheit und Krankheit. Sie hilft zu verstehen, dass Medizin nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch kulturell geprägt ist – und trägt damit zu einem umfassenderen Blick auf Gesundheit weltweit bei.

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